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19.11.2020

Jugendhilfe wird teurer und wichtiger denn je

Landkreis rechnet 2021 mit Ausgaben von 17,5 Millionen Euro

Soviel Geld wie noch nie wird der Landkreis Landshut im nächsten Jahr für die Jugendhilfe ausgeben müssen: Dass sich das Haushaltsvolumen 2021 aller Voraussicht nach auf knapp 17,5 Millionen Euro belaufen und damit im Vergleich zum laufenden Jahr abermals um 3,7 Prozent erhöhen wird, ist nicht mehr allein auf den gesellschaftlichen Wandel zurückzuführen. Vielmehr gibt es seit März noch eine weitere Ursache: Corona.

Während landauf landab aufgrund der Pandemie und angesichts rückläufiger Steuereinnahmen und womöglich drastischer Gewinneinbrüche darüber nachgedacht wird, wo und wie man den Gürtel enger schnallen kann und muss, stellt das heimtückische Virus alle, die mit Problemfamilien sowie mit Kindern und Jugendlichen aus schwierigen Verhältnissen zu tun haben, schon jetzt vor besondere Herausforderungen – nicht nur, weil bewährte Beratungsangebote wegen der Volksseuche zum Teil gar nicht mehr durchgeführt werden können, sondern auch, weil Erzieher, Jugendarbeiter, Sozialpädagogen und Therapeuten mit neuen Problemfällen konfrontiert werden.

Innovative Methoden und Ansätze sind gefragt

„Die Pandemie setzt uns gesamtgesellschaftlich zu“, konstatierte Jugendamtsleiter Thomas Weinzierl am Dienstag bei der Vorstellung des Jugendhilfeetats. Aus diesem Grund warb er bei den Mitgliedern des Jugendhilfeausschusses dafür, bestehende Präventionsangebote trotz angespannter Finanzlage weiterhin zu stützen und zu fördern. Umgekehrt seien aber auch die im Bereich Jugendhilfe tätigen Institutionen und Organisationen aufgerufen, ihre Angebote und Dienstleistungen den veränderten Rahmenbedingungen anzupassen und innovative Methoden und Ansätze umzusetzen.

„Die Zeiten werden nicht einfacher und die Probleme nicht weniger“, umriss Landrat Peter Dreier die aktuelle Situation. Vor diesem Hintergrund bewege sich die geplante Ausgabensteigerung noch einigermaßen im Rahmen, „weil die Zahlen nicht davonlaufen“, so Dreier. „Runterreduzieren macht keinen Sinn, denn der Bedarf steigt und damit auch der Arbeitsaufwand und damit auch die Kosten“, ergänzte der Jugendamtsleiter.

Die Kontaktbeschränkung und ihre Folgen

Deshalb werden im Kreisjugendamt für 2021 abermals steigende Fallzahlen in puncto „Hilfen zur Erziehung“ erwartet – sowohl bei den ambulanten als auch bei den stationären Hilfen, denn der Bedarf von Familien an individueller Unterstützung im elterlichen Haushalt sei während der coronabedingten Kontaktbeschränkung groß.

Auch die Ausgaben für die vollstationäre Unterbringung von Kindern und Jugendlichen in Wohngruppen haben sich bereits im laufenden Jahr erhöht. Hier muss ebenfalls nicht viel Ursachenforschung betrieben werden, denn in diesen Einrichtungen musste in Zeiten von „Homeschooling“ mehr Geld für die Kinderbetreuung an den schulfreien Tagen ausgegeben werden. Für das nächste Jahr eine Prognose zu treffen, sei schwer.

Sozialverhalten gestört bis zur „Unbeschulbarkeit“

Zudem werde, so Weinzierl, vor allem an den Schulen festgestellt, „dass zunehmend mehr Kinder und Jugendliche von psychischen Erkrankungen und auch von einer Störung des Sozialverhaltens betroffen sind, bis hin zur Unbeschulbarkeit“. Diese Entwicklung schlage sich „merklich“ in den Fallzahlen und Ausgaben für Schulbegleiter und Integrationshelfer nieder.

(Horst Müller, Landshuter Zeitung)

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