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10.06.2020

Neues Landratsamt nimmt Schritt für Schritt Gestalt an – Bauweise noch nicht entschieden

Dach wird flach geneigt und extensiv begrünt

Landratsamt neu - Modell

 
Schritt für Schritt nimmt das neue Landratsamt auf dem Papier und im Modell Gestalt an. Nach der ersten Sitzung des neuen Bauausschusses und beharrlicher Überzeugungsarbeit des Architekten steht jetzt fest, dass der Verwaltungskomplex ein flach geneigtes und extensiv begrüntes Dach sowie 3,5 Vollgeschosse bekommen wird. Vorerst vertagt wurde dagegen die Entscheidung, das Gebäude in Stahlbeton-Holz-Hybridbauweise errichten zu lassen.

Das Vorgängergremium des Bauausschusses hatte dem Stuttgarter Architekturbüro Dasch Zürn und Partner, das den Planungswettbewerb für das neue Landratsamt gewonnen hat, bereits im vergangenen Jahr einige Hausaufgaben aufgegeben, um offene Fragen zu klären: Nachdem die Planer bereits in ihrem Wettbewerbsentwurf eine eventuell erforderliche Erweiterung des Gebäudes durch eine Verlängerung der vier Flügel aufgezeigt hatten, sollten sie außerdem darlegen, ob der „Schmetterlingsbau“ dreigeschossig gebaut oder gleich von vornherein um eine zusätzliche Etage aufgestockt oder unterkellert werden soll.

Darüber hinaus sollten die Architekten neben dem von ihnen favorisierten, aber in den Reihen des Bauausschusses äußerst umstrittenen Flachdach weitere Dachvarianten vorstellen. Ferner waren Vorzüge und Nachteile eines Holz-, Massiv- oder Hybridbaus abzuwägen. Auch den angestrebten Energiestandard galt es noch festzulegen sowie die Energieversorgung zu klären.

Während sich Landrat Peter Dreier und die Ausschussmitglieder mit Architekt Helmut Dasch rasch einig waren, dass in energetischer Hinsicht der KfW 55-Standard nach Möglichkeit unterschritten werden soll und drei Alternativen für die Energieversorgung (Insellösung sowie kleine und große Energiezentrale) noch näher zu untersuchen sind, sorgte vor allem das vorgeschlagene Flachdach für Diskussionsstoff. Denn die Kreisräte fühlen sind in dieser Beziehung als gebrannte Kinder und haben sich deshalb eigentlich geschworen, kein kreiseigenes Gebäude mehr mit Flachdach bauen zu wollen.

Architekt Dasch wiederum sei „erschrocken“ gewesen, dass der Neubau, der sich seinen Worten zufolge „wie ein Schmetterling aufs Land setzt“, ein richtiges Dach bekommen soll. „Das läuft unserem Entwurf zuwider und ist mit der Grundidee, das Dach zu begrünen, nicht vereinbar.“

Dennoch habe Daschs Büro verschiedenartige Dachfaltungen untersucht und durchgespielt, die jedoch allesamt nur zusätzliche Kosten in einer Größenordnung von etwa drei Millionen Euro verursachen würden, ohne damit irgendeinen Mehrwert generieren zu können. Thomas Stöckl vom kreiseigenen Hochbau sprach ebenfalls von einem „enormen Aufwand“, der aber „fast keine Nutzung“ erlaube.

Stattdessen warb Dasch dafür, das Flachdach (mit einer doppelten Dachneigung von vier Prozent) unbedingt beizubehalten und so sicher wie möglich zu machen: „Das ist technisch ohne weiteres machbar und gut zu überprüfen.“ Als Maßnahmen zur Qualitätssicherung führte der Architekt in diesem Zusammenhang eine Anstauungsprüfung vor der Dachbegrünung, die Ausführungsbegleitung durch einen Sachverständigen, sorgfältige Ausführung und Bauüberwachung, die Reduzierung von Dachdurchdringungen sowie die regelmäßige Wartung des Dachs an.

Während Dasch FW-Kreisrat Johann Zenger damit nicht überzeugen konnte, gefiel Georg Obermaier (CSU) der Entwurf „sehr gut“. Vizelandrat Fritz Wittmann (FW) erklärte mit Blick auf die benachbarte Musikschule mit ihrem begrünten Flachdach: „Ich habe keine Angst davor, dass das nicht funktioniert.“ Franz Göbl (SPD) zufolge „schreit die Planung geradezu nach einem Flachdach“. Georg Luginger (FW) bekannte, „kein Freund von Flachdächern“ zu sein. Das liege aber in erster Linie daran, dass die Handwerkskunst nicht mit der architektonischen Kunst mitgewachsen sei: „Das scheitert immer an den ausführenden Firmen.“ Deshalb sollte der Planer, der schon unzählige Gebäude mit Flachdächern entworfen hat, dem Landkreis am besten gleich noch einige zuverlässige Firmen für dieses Gewerk empfehlen, so Luginger.

Sichtlich angetan waren die Ausschussmitglieder von der Möglichkeit, dass durch geschickte Nutzung des natürlichen Geländeverlaufs ein weiteres Geschoss gewonnen werden kann, ohne das Gebäude deswegen höher bauen zu müssen.

Noch keine Entscheidung ist dagegen in Bezug auf die Bauweise gefallen. Der Architekt plädierte für eine Stahlbetonkonstruktion, die bei einem Gebäude dieser Größenordnung am sichersten sei. Teilbereiche wie etwa der Sitzungssaal auf der obersten Etage könnten dagegen durchaus in Holzbauweise errichtet werden. Holz sollte, so Dasch, in erster Linie als Werkstoff im Inneren oder an der Fassade zum Einsatz kommen, „aber nicht als Tragkonstruktion, sondern überall da, wo der Mensch sich wohlfühlt“.

(Horst Müller, Landshuter Zeitung)

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