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25.07.2017

Realschule Rottenburg - Generalsanierung statt Neubau

Bauausschuss stellt die Weichen - Zwei zusätzliche Klassenzimmer

Realschule RottenburgDas mehr als 40 Jahre alte Hauptgebäude der Rottenburger Realschule wird nicht durch einen Neubau ersetzt, sondern generalsaniert und um zwei auf dann insgesamt 26 Klassenzimmer erweitert.  Die Kosten der Generalsanierung belaufen sich auf rund 6,8 Millionen Euro. Ein Neubau in derselben Größenordnung wäre dagegen mit knapp 12,5 Millionen Euro beinahe doppelt so teuer gekommen und mit keinem Cent bezuschusst worden.

Im Oktober 2015 hatten die Bauexperten des Kreistags den im Jahr 1973 fertiggestellten Altbau unter die Lupe genommen und mit bloßem Auge festgestellt, dass an einer grundlegenden Sanierung des in den Jahren 2002/2003 und 2007/2008 zweimal um jeweils sechs Klassenzimmer erweiterten Hauptgebäudes kein Weg mehr vorbeiführt. Die Mitglieder des Bauausschusses verständigten sich darauf, im Jahr 2016 die Planungen in Angriff zu nehmen, damit in den Jahren 2017/2018 die erforderlichen Bau- und Sanierungsarbeiten ausgeführt werden können.

Als dann heuer im April die vom Landshuter Architekturbüro Wager Gärtner Knoch konzipierte Generalsanierung hätte verabschiedet werden sollen, vertagte der Bauausschuss kurzerhand die Entscheidung, da aufgrund rückläufiger Schülerzahlen und der Entwicklungen in den umliegenden Realschulen in Mainburg, Au und Oberroning Zweifel laut wurden, dass die Planung womöglich überholt, weil zu großzügig dimensioniert sein könnte. Stattdessen wurde die Hochbauabteilung des Landratsamts beauftragt, in Zusammenarbeit mit der Regierung von Niederbayern und dem Ministerialbeauftragten für die niederbayerischen Realschulen den künftigen Flächenbedarf unter Berücksichtigung der zu erwartenden Schülerzahlen zu ermitteln und alternativ die fiktiven Neubaukosten für ein womöglich kleineres Schulhaus zu berechnen.

Die Ergebnisse dieser Überprüfung wurden den Mitgliedern des Bauausschusses nun präsentiert und lieferten den eindeutigen Beweis, dass die Generalsanierung mitnichten zu groß geplant wurde, sondern sogar noch um zwei zusätzliche Klassenzimmer ergänzt werden muss – und dass ein Neubau doppelt so teuer kommen und vom Freistaat finanziell nicht gefördert würde, weil die Sanierung im Vergleich zu den fiktiven Neubaukosten erheblich günstiger sei.

Sowohl Ministerialbeauftragter Bernhard Aschenbrenner als auch Schulleiter Johannes Pfann gehen davon aus, dass es an Rottenburger Realschule in Zukunft durchschnittlich 26 Klassen geben wird. Für das kommende Schuljahr wird beispielsweise mit 680 Schülern in 26 Klassen geplant. Das sind zwar deutlich weniger als im aktuellen Schuljahr, in dem 760 Kinder in 29 Klassen unterrichtet werden, und erst recht im Vergleich zum Schuljahr 2012/2013, als mehr als 1000 Mädchen und Buben die 37 Klassen der Realschule besuchten.

Dass der Schulbetrieb in den vergangenen Jahren so reibungslos abgelaufen ist, sei „vor allem dem Engagement und Verständnis der gesamten Schulfamilie zu verdanken“. Denn die ursprünglich als dreizügige R 4 mit vier Jahrgangsstufen konzipierte Realschule verfügt unterm Strich nur über 24 genehmigte Klassenzimmer. Dass nach der Einführung der sechsstufigen Realschule (R 6) zwischenzeitlich sogar bis zu 37 Klassen untergebracht wurden, war nur durch Zweckentfremdung von Fach- und Gruppenräumen, die zeitweise Auslagerung von Klassen in die Grund- und Mittelschule sowie die Einführung von Wanderklassen möglich.

Ohne bauliche Maßnahmen könnten somit die prognostizierten 26 Klassen nur eingerichtet werden, wenn auf Dauer wieder beziehungsweise weiterhin zwei Fachräume „umfunktioniert“ würden. Eben diese Fachräume werden jedoch im Zuge der bildungspolitischen Entwicklung, Förderung der Digitalisierung und der MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) dringender denn je benötigt. Darauf hat der Ministerialbeauftragte in seiner Stellungnahme hingewiesen.

Neben fehlenden Räumlichkeiten für den allgemeinen Unterrichtsbetrieb benötigt auch die Verwaltung mehr Platz: Ursprünglich waren nur Büros für den Schulleiter und einen Stellvertreter vorgesehen, inzwischen besteht die Schulleitung aus sechs Personen. Auch die Zahl der Mitarbeiterinnen im Sekretariat hat sich von eins auf drei erhöht.

(Horst Müller, Landshuter Zeitung - gekürzte Fassung der Online-Redaktion)
(Foto: Thomas Gärtner)