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30.04.2019

Schulen stehen vor großen Herausforderungen

27 Prozent mehr Realschüler und 41 Prozent mehr Gymnasiasten bis 2037

Schulen vor großen Herausforderungen

In den nächsten zwei Jahrzehnten wird es im Landkreis Landshut 27 Prozent mehr Real- und Wirtschaftsschüler und 41 Prozent mehr Gymnasiasten geben. Das ist das Ergebnis der aktuellen Fortschreibung der Schulbedarfsplanung, die das Institut für Sozialplanung, Jugend- und Altenhilfe, Gesundheitsforschung und Statistik (SAGS) im Auftrag des Landratsamtes erstellt hat. „Wir stehen vor ganz großen Herausforderungen“, kommentierte Landrat Peter Dreier die Prognosen.

Dreier wertete das von SAGS-Geschäftsführer Christian Rindsfüßer bei der jüngsten Kreisausschusssitzung erläuterte Gutachten zum einen als Bestätigung dafür, „dass wir eine interessante Wachstumsregion sind und über ein tolles Bildungsangebot verfügen“. Gleichwohl wird es mit Schulterklopfen allein nicht getan sein: „Wir werden alle Schulstandorte in Bezug auf die Raumsituation genau analysieren müssen“, kündigte Dreier an. Denn auch wenn es aktuell an der einen oder anderen Schule noch keinen Engpass gibt, gilt es keine Zeit zu verlieren. „Bauliche Maßnahmen brauchen Zeit, da vergehen oft Jahre“, so Dreier. Vor diesem Hintergrund liefere das SAGS-Gutachten verlässliche Fakten und belastbare Zahlen für anstehende Planungen.

Container in Ergolding
Im Gegensatz zu den meisten weiterführenden Schulen in der Region steht für den Landrat aber schon jetzt fest, dass am Gymnasium Ergolding – vor allem aufgrund der G 9-Umstellung – „unmittelbarer Handlungsbedarf“ bestehe. „Wir werden dort nicht umhinkommen, für eine Übergangsphase Container aufzustellen, um die Schüler unterrichten zu können“, sagte Dreier.

Am Ergoldinger Gymnasium wurden zum Stichtag 1. Oktober 2018 „nur“ 748 Kinder und Jugendliche gezählt. Mitte der 2020er Jahre wird die Schülerzahl laut SAGS bereits vierstellig sein (2024: 937, 2025: 1 073). Bis zum Jahr 2037 erwarten die Statistiker insgesamt 1 215 Gymnasiasten in Ergolding, was einem Zuwachs gegenüber 2018 von 62 Prozent entspricht. Damit würde die Ergoldinger Schule beinahe mit dem Landshuter Hans-Leinberger-Gymnasium gleichziehen, das mit 1 039 Schülern die größte Schule der Region ist und dies auch im Jahr 2037 mit dann 1 333 Gymnasiasten sein wird.

Bis zu 4 540 Gymnasiasten

Auch die beiden anderen Gymnasien im Landkreis werden in den nächsten zwei Jahrzehnten deutlich zulegen. Am Maximilian-von-Montgelas-Gymnasium in Vilsbiburg mit aktuell 709 Schülern dürften in 20 Jahren 982 Gymnasiasten die Schulbank drücken (plus 39 Prozent). Am schwächsten soll das Wachstum den SAGS-Erhebungen zufolge am Maristen-Gymnasium in Furth ausfallen, wo derzeit 731 und im Jahr 2037 900 Kinder und Jugendliche unterrichtet werden (plus 23 Prozent). Alles in allem rechnen die Statistiker damit, dass in knapp 20 Jahren 4 540 junge Landkreisbürger ein Gymnasium besuchen werden. Derzeit sind es gerade einmal 3 222, so dass daraus eine Zuwachsrate von 41 Prozent resultiert.

Auch die Realschulen im Landkreis Landshut werden binnen der nächsten beiden Jahrzehnte satte Steigerungen zu verbuchen haben, wenngleich sie nicht ganz so üppig wie an den Gymnasien ausfallen dürften. Aktuell leben im Landkreis 3 699 Kinder und Jugendliche, die an einer Real- oder Wirtschaftsschule ihr Rüstzeug fürs Leben bekommen. Im Jahr 2037 sollten es dem SAGS-Gutachten zufolge genau 4 800 sein, was einem Zuwachs von 27 Prozent entsprechen würde.

Die mit Abstand größte Realschule in der Region Landshut ist die Vilsbiburger Realschule mit gegenwärtig 1 122 Kindern und Jugendlichen. Deren Schülerzahl wird bis zum Jahr 2037 auf 1 442 klettern, die Steigerungsquote beliefe sich damit auf 29 Prozent. Noch etwas steiler verläuft die Zuwachsrate an der Realschule Neufahrn: Dort sind in diesem Schuljahr 461 Kinder und Jugendliche eingeschrieben, für das Jahr 2037 werden 599 erwartet, so dass sich der Zuwachs auf 30 Prozent belaufen wird.

Ebenfalls stark zulegen werden auch die drei anderen Realschulen im Landkreis Landshut: Die Ergoldinger Realschule wird um 23 Prozent wachsen (2018: 643, 2037: 791). In Rottenburg wird mit einem Schülerwachstum von 20 Prozent gerechnet (2018: 668, 2037: 804). Die kirchliche Realschule in Oberroning wird laut der Prognose ihre Schülerzahl um 16 Prozent von 338 auf 391 erhöhen.

Alle Standorte untersuchen
Die Ministerialbeauftragten Anselm Räde (Gymnasien) und Bernhard Aschenbrenner (Realschulen) werteten die Zahlen aus dem SAGS-Gutachten als Bestätigung der Berechnungen und Prognosen, die von ihren Dienststellen zur Schülerentwicklung angestellt wurden. Unabweisbar sei, dass allein durch die G 9-Umstellung die Schülerzahl an den Gymnasien um etwa elf Prozent steigen werde, so Räde. Wenn innerhalb der nächsten beiden Jahrzehnte die Zahl der Gymnasiasten zwischen 1 200 und 1 300 zunehmen werde, müsse man sich „gut überlegen, wie man das auffängt“. Räde: „Ab 2025/26 muss man reagieren.“

Auch der Realschul-Ministerialbeauftragte sieht „Gesprächsbedarf“, wie man an den einzelnen Schulstandorten mit den vorhergesagten Schülerzahlen umgehen wolle. Nicht zuletzt spreche die Entwicklung für die „Attraktivität unserer Schulen“, betonte Aschenbrenner. Die Entwicklung der Schülerzahlen beruht auf den aktuellen Schülerzahlen, aktuellen Einwohnerzahlen, Wanderungsannahmen und Bevölkerungsprognosen. Auch die Geburtenrate und das Übertrittsverhalten wurden berücksichtigt.

Aus Tiefenbach geht nahezu jeder zweite 11- bis 15-Jährige ans Gymnasium, aus Aham dagegen nur einer von zehn Schüler dieser Altersgruppe.

(Horst Müller, Landshuter Zeitung - Grafik: SAGS)