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31.01.2018

Feuerwehr braucht nicht nur neue Fahrzeuge

Atemschutzwerkstatt sowie zentrale Ausbildungsstätte nötig

Feuerwehr - Fahrzeuge - AtemschutzWachstumsregion zu sein, heißt nicht nur: mehr Einwohner, mehr Verkehr, mehr Häuser und Wohnungen, mehr Betriebe und Firmengebäude. Auch die Sicherheit muss in allen Bereichen mit dem Wachstum Schritt halten, um die Bürger vor Gefahren schützen, im Ernstfall retten und vor Schlimmerem bewahren zu können. Dass der Landkreis Landshut auch unter diesem Gesichtspunkt eine Wachstumsregion ist, verdeutlichen die aktuellen Ausgaben für Feuerwehren und den Katastrophenschutz im Haushaltsentwurf 2018: Insgesamt mehr als 1,1 Millionen Euro investiert der Landkreis heuer in neue Einsatzfahrzeuge.

Die Liste der bereits zugesagten Zuschüsse an die Gemeinden umfasst heuer 17 Feuerwehrfahrzeuge mit einem Fördervolumen von insgesamt 713 000 Euro. Damit bekommt im Durchschnitt jede zweite der insgesamt 35 Landkreiskommunen ein neues Einsatzfahrzeug für eine ihrer örtlichen Feuerwehren. Zudem soll ein neuer Einsatzleitwagen für den Katastrophenschutz geordert werden, der mit 350 000 Euro zu Buche schlagen wird.

Im einzelnen werden folgende Fahrzeuge und Gerätschaften beschafft und in Betrieb genommen: Die Freiwilligen Feuerwehren Aham, Pfettrach und Ohu erhalten jeweils ein „Mittleres Löschfahrzeug“ (MLF), zu dem der Landkreis gemäß den Förderrichtlinien jeweils 26 600 Euro beisteuert. Mit jeweils 52 600 Euro beteiligt sich der Landkreis an der Beschaffung von Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeugen vom Typ HLF 20 für die Feuerwehren von Postau, Piflas und Niederkam. Die „Einkaufsliste“ beinhaltet zudem drei Drehleitern für die Feuerwehren der Stadt Rottenburg und der Marktgemeinden Ergolding und Geisenhausen, die mit jeweils 154 300 Euro Landkreiszuschuss zu Buche schlagen. Löschgruppenfahrzeuge für den Katastrophenschutz (LF 20 KatS) werden von den Feuerwehren in Altheim und Ergolding benötigt, die insgesamt 131 000 Euro aus dem Kreisetat beanspruchen.

Ferner werden gefördert: ein Versorgungs-Lkw für die Neufahrner Feuerwehr (Kreiszuschuss: 34 000 Euro), ein Rüstwagen für die Feuerwehr Altheim (77 300 Euro) und ein Gerätewagen-Logistik (GWL-1) für die Bruckberger Wehr (20 000 Euro). Darüber hinaus erhalten Altfraunhofen und Essenbach Zuschüsse für die Ausrüstung ihrer Fahrzeuge mit einem Hilfeleistungssatz. Weitere 5 000 Euro sind für die Wartung von Drehleiterfahrzeugen vorgesehen.

In absehbarer Zeit wird es jedoch nicht mehr ausreichend sein, dass sich der Landkreis vorwiegend mit Zuschüssen an der Beschaffung von Einsatzfahrzeugen für die insgesamt mehr als 150 örtlichen Feuerwehren beteiligt: Aktuell stehen Landrat Peter Dreier und die Bürgermeister vor der Herausforderung, dass die Wartung und Reparatur der eingesetzten Atemschutzgeräte langfristig und flächendeckend sichergestellt werden muss – und deshalb der Bau (mindestens) einer neuen Atemschutzwerkstatt zur Diskussion steht.

Bisher bringen die meisten Feuerwehren im Landkreis ihre Sauerstoffflaschen in die Atemschutzwerkstatt der Landshuter Feuerwehr, um sie dort überprüfen und befüllen zu lassen. Diese Möglichkeit wird es im gewohnten Umfang künftig nicht mehr geben: Weil die Abrechnung umgestellt wurde und eine neue Gebührensatzung in Kraft trat, wurden die bestehenden Wartungsverträge mit den Gemeinden gekündigt. Hinzu komme, dass die Landshuter Atemschutzwerkstatt ohnehin längst an ihre Kapazitätsgrenzen gestoßen sei, weshalb der Betreiber nicht traurig wäre, wenn in Zukunft keine Geräte mehr aus dem Landkreis durchgecheckt werden müssen, zumal deren Zahl ebenfalls laufend zugenommen hat.

Die Atemschutzwerkstatt der Ergoldinger Feuerwehr, die mangels Ersatzteilen von Grund auf erneuert werden muss, könnte allenfalls übergangsweise einen Teil der Geräte annehmen, erklärte Bürgermeister Andreas Strauß am Mittwoch bei der Bürgerversammlung in Weihmichl: „Wir legen aber keinen gesteigerten Wert darauf, dass wir es für alle machen“, stellte der Ergoldinger Rathauschef klar. Damit haben sich weitergehende Überlegungen erübrigt, ob und wie die gemeindliche eventuell zu einer landkreisweiten Atemschutzwerkstatt ausgebaut werden könnte.

Landrat Peter Dreier favorisiert dagegen ein Konzept, das neben der Atemschutzwerkstatt weitere Einrichtungen beinhaltet, die nicht minder wichtig für die Zukunft der Feuerwehren im Landkreis sind. Denn neben einer zentralen Anlaufstelle zur Überprüfung der Atemschutzgeräte besteht seiner Meinung nach aufgrund der kontinuierlich steigenden Anzahl von Atemschutzgeräteträgern auch Bedarf für eine eigene Übungsstrecke, damit die Feuerwehrmänner unter realistischen Bedingungen den Ernstfall trainieren können. Auch hierfür sind die bislang genutzten Kapazitäten erschöpft und lange Wartezeiten bis zur nächsten Übungseinheit die Folge.

Darüber hinaus wächst in den Reihen der Feuerwehr der Unmut, weil die staatlichen Feuerwehrschulen zu wenig Lehrgangsplätze für Schulungen und Fortbildungen zur Verfügung stellen. Daher schwebt Dreier eine zentrale Ausbildungsstätte für den Landkreis Landshut vor, um die Feuerwehrausbildung zu forcieren. Alles zusammen – Atemschutzwerkstatt und -übungsstrecke, Schlauchreinigungsanlage sowie die zentrale Ausbildungsstätte – könnte in Verbindung mit der neuen Integrierten Leitstelle geplant und errichtet werden, so die Überlegungen des Landrats.

Das wäre Dreier zufolge „eine Kombination, die von den Feuerwehren ebenfalls sehr begrüßt wird“ – aber eben auch mit finanziellem Aufwand für Bau und Betrieb sowie für fest angestelltes Personal verbunden wäre. „Ich bin offen für weitere Vorschläge, die Anregungen der Gemeinden sind mir wichtig“, versicherte der Landrat. Nachdem der Further Bürgermeister Andreas Horsche dezentrale Lösungen für den nördlichen und südlichen Landkreis ins Gespräch brachte, soll nun geprüft werden, ob die Atemschutzwerkstatt an einem oder an zwei Standorten verwirklicht werden sollte: „Machen müssen wir was“, waren sich die Bürgermeister mit dem Landrat einig.

Atemschutzgeräte müssen im Ernstfall einwandfrei funktionieren und deshalb regelmäßig gewartet werden: Für die Feuerwehren im Landkreis Landshut ist die Errichtung einer zentralen Atemschutzwerkstatt im Gespräch.

(Horst Müller, Landshuter Zeitung - Foto: gt)