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22.08.2019

Versorgung und Prävention gehören zusammen

Erstes Gesundheitsforum der Gesundheitsregion plus
stieß auf großes Interesse

Gesundheitsforum Gesundheitsregion plus

Geschäftsstellenleiterin Katja Krug stellte die Agenda des ersten Gesundheitsforums im Landratsamt vor

Sie ist ein Novum und soll die Gesundheitsversorgung in Stadt und Landkreis Landshut auf eine noch breitere Basis stellen: die Gesundheitsregion plus. Mit dem ersten Gesundheitsforum, das kürzlich im Großen Sitzungssaal des Landratsamtes stattgefunden hat, hat diese Initiative eine erste große Hürde genommen.

Eine intensivere Zusammenarbeit und Vernetzung: Das haben sich im Rahmen der Gesundheitsregion plus Vertreter aus Politik und Verwaltung, Einrichtungen der ambulanten und stationären Gesundheitsversorgung und -vorsorge, der Sozialversicherungsträger und sonstiger Einrichtungen wie Hochschulen, Patientenvertretungen oder Wohlfahrtsverbänden, zur Aufgabe gemacht. Das wurde auch im Laufe des Gesundheitsforum deutlich, bei der die Akteure sich  weitergehende Gedanken machten, wie die Gesundheitsversorgung, aber auch die Präventionsangebote noch besser ausgebaut werden könnten.

Denn in gebündelter Form werden Doppelstrukturen vermieden und es entstehen Synergieeffekte – zum Vorteil der Bevölkerung in Stadt und Landkreis Landshut. Durch das anhaltende Bevölkerungswachstum gerät die medizinische Infrastruktur zusehends an ihre Grenzen: Eine optimierte Netzwerkstruktur in diesem Bereich wäre eine Möglichkeit, um die Situation etwas zu erleichtern und die vorhandenen Ressourcen noch effektiver einsetzen zu können.

Doch wo steht die Gesundheitsversorgung und -förderung in der Region aktuell? Durch eine Schlüsselakteursbefragung, die Anfang des Jahres durch die Gesundheitsregion plus in Auftrag gegeben wurde, konnte der status quo dieses weitläufigen Feldes gut erfasst werden. Wie wird sich der Bedarf entwickeln? Vor welchen Herausforderungen steht die regionale Gesundheitsversorgung? Wo sehen die Anbieter noch Entwicklungspotenziale? Dies waren nur einige der Fragen, die von dieser Bedarfserhebung erfasst wurden, durchgeführt und vorgestellt von der Diplom-Mathematikerin Karin Seeger.

Dabei sahen die Befragten den größten Handlungsbedarf im Erfahrungs- und Wissensaustausch zwischen den Akteuren, was eine der Hauptaufgaben der Gesundheitsregion plus darstellt. Weiterhin wurden eine bessere Abstimmung der Angebote untereinander und mehr Öffentlichkeitsarbeit für eigenen wie auch andere Initiativen angeregt.

Als konkrete Handlungsfelder wurden bei der Gesundheitsversorgung die ambulante ärztliche Versorgung und die Zukunft der Pflege herausgearbeitet, aber auch der Umgang mit organisatorischen Anforderungen, wie beispielsweise Datenschutz und Nachhaltigkeit, wurden angesprochen. In Bezug auf die Gesundheitsförderung und Prävention sehen die Befragten vor allem bei der Erschließung der Zielgruppen und der Bekanntheit der Angebote noch Entwicklungsmöglichkeiten. 

Die genannten Punkte decken sich auch mit den statistischen Erhebungen aus der Region, die ebenfalls im Rahmen des Vortrags vorgestellt wurden. Fest steht: Die Zeichen stehen sowohl in der Stadt, als auch im Landkreis Landshut auf Wachstum. Während die Bevölkerung laut demografischer Hochrechnungen in den nächsten 20 Jahren in der Stadt mit einem Plus von 12,5 Prozent als „sehr stark zunehmend“ eingestuft wird, steht der Landkreis mit der Prognose einer „starken Zunahme“ um 8,8 Prozent kaum etwas nach. Das Durchschnittsalter geht ebenfalls nach oben: Lag der Durchschnitt 2017 noch bei 43,6 Jahre (Stadt Landshut) bzw. 43,0 Jahren (Landkreis), wird der durchschnittliche Stadtbewohner 2037 bereits 46,1 Jahre alt sein und im Landkreis 45,9 Jahre. Die Altersgruppe der Senioren, also 65 Jahre und älter, wird vor allem im Landkreis drastisch ansteigen (+ 58 Prozent, in der Stadt + 43 Prozent), wohingegen die „mittleren“ Bevölkerungsgruppen, die im Erwerbsleben stehen, einen Verlust verzeichnen werden – zumindest laut Prognose.

Nicht nur diese Bevölkerungsentwicklung wird die Gesundheitsversorgung in der Region vor neue, enorme Herausforderungen stellen, waren sich die Anwesenden einig. Hinzu kommt, dass die Altersstruktur der ambulant praktizierenden Hausärzte in der Region hoch ist – so liegt das Durchschnittsalter der Ärzte im Planungsbereich Vilsbiburg gar bei über 62 Jahren, Nachfolger sind aber kaum zu finden.  Auch viele Fachärzte würden in den kommenden Jahren in den Ruhestand gehen, ergab die Untersuchung. Dabei steigt mit dem Bevölkerungswachstum naturgemäß auch parallel der Bedarf an ärztlicher Versorgung.

Auch der Pflegebedarf wurde im Rahmen der Analyse beleuchtet: So wird laut diesen Berechnungen im Jahr 2030 eine Versorgungslücke an Pflegepersonal von 62 Prozent im Landkreis und 40 Prozent in der Stadt erwartet: Der Pflegenotstand wird also in den kommenden Jahren noch viel deutlicher zu Tage treten.

Nach diesen Aussichten und Prognosen teilten sich die Teilnehmer in zwei Arbeitsgruppen auf: Während die erste Gruppe die Gesundheitsversorgung zum Thema hatte, kümmerte sich die zweite Gruppe um Gesundheitsförderung und Prävention.

Großes Lob sprachen sowohl Landrat als auch Oberbürgermeister der Geschäftsstellenleiterin Katja Krug aus: „Obwohl Sie erst seit rund einem Jahr die Gesundheitsregion plus verwalten, haben Sie bereits enorm viel erreicht.“ Die Geschäftsstelle bildet die zentrale Anlauf- und Koordinierungsstelle für die Beteiligten des Projekts Gesundheitsregion plus Landshut.

Nach dem Gesundheitsforum wird sich die Gesundheitsregion plus an der 1. Bayerischen Demenzwoche im September beteiligen; außerdem wird eine Pflegekräfteschulung zum Thema Mund- und Zahnpflege in der Pflege angeboten. Langfristig ist angedacht, ein drittes Handlungsfeld für die Gesundheitsregion plus zu etablieren – dies könnte beispielsweise die Pflege mit Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten zum Thema haben.

(Carina Weinzierl, Pressesprecherin Landkreis Landshut)