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29.08.2017

Die Solidargemeinschaft ist gefragt

Mitarbeiter des Landratsamtes geben Einblick
über die Afrikanische Schweinepest

Vertreter des Veterinäramts und der Jagdbehörde am Landratsamt Landshut blicken bang Richtung Osten: Seitdem nach dem Baltikum, Polen und der Ukraine mittlerweile auch in Tschechien und Rumänien die hochansteckende Afrikanische Schweinepest festgestellt wurde, wird die Gefahr auch für die Region Landshut immer greifbarer. Für den Menschen besteht keinerlei gesundheitliche Gefahr – wohl aber für Wild- und Hausschweine.

Im Landkreis Landshut spielen mehrere Faktoren zusammen, die vor allem im Hinblick auf die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest problematisch sein können: Eine hohe Dichte an Schweinehaltenden Betrieben im nördlichen Landkreis mit einer gleichzeitig hohen Schwarzwildpopulation nördlich der Isar, obgleich auch im südlichen Landkreis die Zahl der Wildschweine in der Vergangenheit angestiegen ist.

Aus diesem Grund warnt das Landratsamt davor, Fleisch- und Wurstwaren aus Osteuropa, insbesondere aus den bereits betroffenen Ländern einzuführen und vor allem keinesfalls achtlos wegzuwerfen. Denn Wildschweine könnten an diese Abfälle kommen und sich unmittelbar mit dem Virus infizieren. Landwirte, die Erntehelfer aus diesen Ländern beschäftigen, werden angehalten, sichere Wegwerfmöglichkeiten für Speisereste zu schaffen, damit keine wilde Entsorgung nötig wird.

„Das größte Problem ist die enorme Widerstandsfähigkeit des Erregers – in Wurstwaren, die zum Teil roh verarbeitet werden, kann er sich bis zu 400 Tage lang halten. Auch in anderen Bereichen überlebt das Virus mehrere Wochen lang, seien es Stall- oder Jagdkleidung, aber auch Haustiere können den Erreger übertragen, wenn sie damit in Berührung gekommen sind“, erklärt Veterinäramtsleiter Dr. Manfred Kurpiers.

Aus diesem Grund hat das Bayerische Landwirtschaftsministerium ein Maßnahmenpaket erstellt, um den Bestand an Schwarzwild nachhaltig zu reduzieren. Deshalb appelliert die Jagdsachbearbeiterin am Landratsamt, Irene Neuhof, an die Jäger des Landkreises, auch revierübergreifend Drück- und Erntejagden auf Schwarzwild zu organisieren. Die Regulierung des Schwarzwildbestandes ist eine wirksame Präventionsmethode, da die Wildschweindichte einer Region den Ausbruch maßgeblich beeinflusst.

Vor allem Schweinehalter, die zugleich auf die Jagd gehen, müssen besonders aufmerksam sein. Beide Bereiche müssen strikt getrennt werden. Die Jagd- und Stallkleidung sollten auf keinen Fall zusammen aufbewahrt werden und der Jagdhund sollte keinen Zugang zum Stall haben. Eine Umzäunung der Stallungen und Futtermittelbehältnisse vor allem an Randlagen ist ebenfalls unerlässlich, damit Wild- und Hausschweine auch indirekt nicht miteinander in Berührung kommen.

Auch Jagdreisen nach Osteuropa sieht Neuhof kritisch: „Bei der Jagd auf Schwarzwild kommt der Jäger zwangsläufig mit den Tieren und deren Blut in Berührung, sodass weitere, besondere Hygienemaßnahmen im Hinblick auf die Übertragung der Afrikanischen Schweinepest besondere Bedeutung erhalten. Und selbst dann ist nicht sichergestellt, dass der Erreger vollkommen abgetötet ist. Denn auch der Jagdhund kann beispielsweise an seinen Pfoten den Erreger weiter transportieren, auch wenn er für ihn selbst keine Gefahr darstellt. Deshalb wird dringend davon abgeraten, Jagdreisen nach Osteuropa zu unternehmen und sich lieber auf die Schwarzwildbejagung vor Ort zu konzentrieren.“

Ein Jäger kann kaum an äußerlichen Symptomen erkennen, ob ein Wildschwein mit der Afrikanischen Schweinepest infiziert ist, lediglich eine Blutprobe kann hier Gewissheit verschaffen. Bei einer Infektion in einem Hausschweinbestand wären Maßnahmen der Tierseuchenbekämpfung anzuwenden, was auch die Keulung aller Tiere in infizierten Beständen und die Ausweisung großer „stand-still“-Zonen bedeutet. Wirtschaftlich wäre mit umfassenden und großräumigen Handelsbeschränkungen bei lebenden Tieren, aber zusätzlich bei deren Fleisch und verarbeiteten Produkten zu rechnen – auch wenn ausschließlich bei Wildschweinen in der Region die Krankheit festgestellt werden würde.

„Welch immenser, existenzbedrohender Schaden für schweinehaltende Betriebe im Landkreis entstehen würde, ist kaum auszumachen. Es wäre eine Katastrophe für unsere ländlich geprägte Region“, schildert Landrat Peter Dreier. Deshalb bittet er Jäger, Landwirte und Bürger, als Solidargemeinschaft alles entgegenzusetzen, um den Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Niederbayern unbedingt zu verhindern.

Info:

Eine Übersicht der bereits von der Afrikanischen Schweinepest betroffenen Gebiete in Osteuropa >>>


(Carina Karg, Pressesprecherin Landkreis Landshut)