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03.07.2019

Artenschutz auf dem Bio-Hof – wie geht das eigentlich?

Naturschutzpraxistag auf dem Klosterhof Johannesbrunn


Naturschutzfachtag 2019

Foto: Im gemeinsamen Naturschutzfachtag am Klosterhof Johannesbrunn gewannen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer interessante Einblicke in die ökologische Landwirtschaft.

Dass Artenschutz und ökologische Landwirtschaft im Prinzip zwei unterschiedliche Begriffe mit der gleichen Bedeutung sind, wurde jüngst im Rahmen eines Naturschutzpraxistages der Staatlichen Fachschule für Ökologische Agrarwirtschaft auf dem Klosterhof in Johannesbrunn deutlich. 24 Schülerinnen und Schüler der Fachschule nahmen an dem Kooperationsprojekt der Umweltstation Landshut, des Landschaftspflegeverbandes und der Staatlichen Fachschule für Ökologische Agrarwirtschaft teil.

Der Klosterhof Johannesbrunn ist ein Vorzeige-Projekt in Sachen Artenschutz in der ökologischen Landwirtschaft. Wo, wenn nicht hier können sich Meisterschüler, künftige Bio-Landwirte und junge, ausgebildete Landwirte im Zuge ihrer Ausbildung zum landwirtschaftlichen Meister darüber informieren, wie Artenschutz einfach auf einem Bio-Hof funktioniert.

Vormittags standen die ökologischen Nischen und Lebensräume an den Gebäuden des Klosterhofs im Mittelpunkt. Es ging um Fledermäuse, die hinter Fensterbrettern nisten, sowie geeignete Nisthilfen für Turmfalken, Schleiereulen und Wildbienen. Wie mache ich es diesen Tieren schmackhaft, gerade meinen Hof als Lebensraum zu wählen? Welche Pflanzenarten muss ich kultivieren oder einfach Raum lassen, damit verschiedenste Insekten auf meinem Hof Nahrung finden? Wie werden Streuobstwiesen zu attraktiven Brutstätten und Lebensräumen für Vögel, Insekten usw.?

Diese und andere Fragen wurden von Lisa Fleischmann, Referentin der Umweltstation, und Helmut Naneder vom Landschaftspflegeverband Landshut im Laufe des interessanten und informativen Vormittags ausführlich beantwortet und mit vielen Beispielen veranschaulicht.

Nachmittags ging es dann unter anderem um das bayerische Vertragsnaturschutzprogramm (VNP). Damit fördert das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (StMELF) die naturschonende Bewirtschaftung ökologisch wertvoller Lebensräume.

Laut dem StMELF ist es das Ziel des VNP „die kulturprägenden Lebensräume und Lebensgemeinschaften der heimischen Tier- und Pflanzenwelt, die Vielfalt von Natur und Landschaft sowie die Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes als Lebensgrundlage des Menschen zu sichern, zu entwickeln und zu verbessern.“

Das ist zwar schön formuliert, aber halt doch arg theoretisch. Wie das dann in der Praxis aussieht, wurde den Teilnehmern des Naturschutzpraxistages auf einem Acker und einer Weide, die in diesem Biohof bereits seit langem nach den Richtlinien des VNP bewirtschaftet werden. Hier leben seltene Vögel wie z. B. Feldlerchen, Goldammern, Neuntöter, Wachteln oder Schafstelzen auf dem Ackergelände. Außerdem findet man dort Ackerbeikräuter wie z. B. Kornblumen, Ackerstiefmütterchen, Mohnblumen und den sehr selten gewordene Ackerhahnenfuß. Auf den Weiden des Klosterhofes, die ebenfalls unter das VNP fallen, leben seltene Vögel, viele Wildbienen und viele heimische Wildpflanzen.

Schließlich begutachteten die Teilnehmer des Aktionstages im landwirtschaftlichen Betrieb des Bio-Hofes noch die Ansaaten einiger autochthoner Pflanzen, also einheimischer Pflanzen, deren Saatgut auch aus der Region stammt. Helmut Naneder erläuterte den Vorteil, den indigenes Saatgut gegenüber Billigsaatgut hat.

Die Teilnehmer des Naturschutzpraxistages haben im Rahmen der Exkursion auf dem Klosterhof laut eigenen Aussagen viele Anregungen erhalten, wie sie im eigenen Betrieb umsetzen und so die Artenvielfalt steigern können.

(Carina Weinzierl, Pressesprecherin Landkreis Landshut)