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05.04.2019

Schnelle Hilfe für den Patienten

Notfallsanitäter aus der Region werden für erweiterten Einsatz geschult

Schulung 2c-Maßnahmen

Der Ärztliche Leiter Rettungsdienst, Jürgen Königer, leitete die Notfallsanitäter bei der Anwendung der erweiterten Befugnisse an.

Egal ob Unfall, Stürze oder ein Sportunfall: In den meisten Fällen sind die Notfallsanitäter die ersten am Einsatzort und müssen die Lage beurteilen: Was fehlt dem Patienten? Ist er transportbereit? Muss ein Notarzt alarmiert werden? Doch oftmals ist es gar nicht nötig, dass ein Arzt für kleinere Verletzungen oder Erkrankungen anrückt. Deshalb werden Notfallsanitäter auch dazu ausgebildet, leichtere Fälle selbstständig zu versorgen. Eine große Entlastung für die Notärzte, angesichts hoher Einsatzstunden und dünner Personaldecke.

Der Ausbildungsberuf des Notfallsanitäters erlaubt den Helfern bisher nur, sogenannte 1c-Maßnahmen vorzunehmen: Medikamente, beispielsweise starke Schmerzmittel, dürfen nur verabreicht werden, wenn sich der Patient in einer lebensgefährlichen Situation befindet oder für ihn schwerwiegende gesundheitliche Folgen drohen, bis der alarmierte Notarzt am Einsatzort eingetroffen ist. Dasselbe galt unter anderem auch für den Einsatz eines Defibrillators zur Wiederbelebung, das Umlegen einer Beckenschlinge oder die Geburtsbegleitung. Denn in vielen Fällen (beispielsweise Schlaganfall oder Herzstillstand) können wenige Minuten über die Zukunft des Patienten entscheiden. Nach dem Eintreffen des Notarztes übernimmt dieser dann die weitere Behandlung, die Notfallsanitäter bereiten den Transport vor und sind weiter unterstützend tätig.

Die neue Ausbildungsordnung zum Notfallsanitäter, die die ursprüngliche Rettungssanitäter-Ausbildung abgelöst hat, befähigt bei erfolgreicher Absolvierung die Fachkräfte zum Einsatz sowohl von 1c- als auch von 2c-Maßnahmen, die weitergehende Behandlungen umfassen.

Für die geschulten 2c-Maßnahmen muss nicht zwingend ein lebensbedrohlicher Zustand des Patienten vorliegen: Die Notfallsanitäter werden so ausgebildet, dass sie auch eigenständig „heilkundliche Maßnahmen“ durchführen dürfen, da auch während der dreijährigen Ausbildung zu diesem Gesundheitsberuf grundlegende medizinische Fähigkeiten vermittelt werden. Dazu gehört das Verabreichen von Schmerzmitteln, das Legen eines Infusionszugangs, die Behandlung von kleineren Verletzungen von Armen oder Beinen oder kleinflächiger Verbrennungen bzw. Verbrühungen, die Gabe von Glucose bei Unterzucker oder die Erstbehandlung einer möglichen Blutvergiftung. Das Alarmieren eines Notarztes ist nicht zwingend notwendig, aber jederzeit möglich, sollte sich der Zustand des Patienten verschlechtern. Dennoch verbleibt eine große Verantwortung für die Sanitäter. 

Deshalb hat der Ärztlicher Leiter Rettungsdienst für den Rettungsdienstbereich Landshut, Jürgen Königer, rund 120 Sanitäter aus der Stadt Landshut und den Landkreisen Landshut, Kelheim und Dingolfing-Landau geschult, um sie auf den Einsatz sogenannter „2c-Maßnahmen“ vorzubereiten. Während mehrerer Schulungstage leitete der Mediziner die Fachkräfte nach einer bayernweit einheitlichen Schulung an, nach welchem Schema sie den Bedarf und die Befugnis für 2c-Maßnahmen feststellen können und wie diese konkret auf den Patienten anzuwenden sind.  Die Schulungen, die durchgeführt wurden, ermöglichen nun, dass auch Notfallsanitäter, die bisher lediglich zu 1c-Maßnahmen befugt waren, auch weitergehende Kompetenzen im Sinne der 2c-Regelung erhalten.

Im Laufe des Jahres sollen voraussichtlich auch alle rechtlichen und technischen Bedingungen vorliegen, damit die geschulten Notfallsanitäter ihre neuen Kompetenzen auch zum Wohle der Patienten einsetzen können. Sobald diese Voraussetzungen erfüllt sind, werden die Notfallsanitäter vom Ärztlichen Leiter Rettungsdienst eine Delegationsurkunde erhalten, die sie dann zur Ausübung von 2c-Maßnahmen berechtigt.

(Carina Weinzierl, Pressesprecherin Landkreis Landshut)