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11.07.2017

Kreisausschuss befürwortet Verlagerung des Landratsamts Landshut

Der Abschied aus Achdorf ist absehbar


Landratsamt Verlagerung - Luftbild

Von oben betrachtet, wird sich in Achdorf in naher Zukunft nicht viel ändern. Hinter der Fassade des Landratsamtes eröffnen sich jedoch im Zusammenhang mit der beabsichtigten Behördenverlagerung unterschiedlichste Möglichkeiten zur künftigen Nutzung des Gebäudes. (Foto: Klaus Leidorf)

Wenn der Kreistag am 24. Juli beschließt, was die Mitglieder des Kreisausschusses unter Leitung von Landrat Peter Dreier (FW) am 10.07.2017 nach ausgiebiger Diskussion einstimmig befürwortet haben, dann sind die Tage des Landratsamts in unmittelbarer Nachbarschaft zum Achdorfer Krankenhaus gezählt. Unter dem Motto „Aus zwei mach eins“ folgte das Gremium erwartungsgemäß den Empfehlungen einer Standortanalyse, der zufolge sich die beiden zentralen Einrichtungen des Landkreises Landshut am bisherigen Standort in Zukunft im Weg stehen und in ihrer Entwicklung gegenseitig blockieren würden.


„Zur Gewährleistung einer strategischen Standortsicherung“ soll deshalb das Landratsamt verlagert werden. Wo die Kreisverwaltung künftig ihren Sitz haben wird, steht noch nicht fest. Die Marktgemeinden Altdorf und Essenbach haben bereits Interesse an der Ansiedlung der Behörde bekundet, für deren Neubau laut einer überschlägigen Berechnung eine geschätzte Investitionssumme in Höhe von 37,5 Millionen Euro zu veranschlagen wäre.

Mit der geplanten Behördenverlagerung ließen sich nach den Vorstellungen von Landrat Peter Dreier und den Kreisausschussmitgliedern gleich mehrere Fliegen auf einmal schlagen: Auf der einen Seite könnten alle Abteilungen im Ämtergebäude an der Veldener Straße zusammen mit den Dependancen des „zersplitterten“ Landratsamts wieder unter einem Dach untergebracht werden. Davon versprechen sich die Kreisräte nicht nur mehr Bürgerservice und eine Optimierung der behördeninternen Betriebsabläufe, sondern mittelfristig auch jährliche Einsparungen in sechsstelliger Größenordnung, weil dann für die ausgelagerten Dienststellen im eigenen Haus keine Miete mehr zu zahlen wäre.

Laut Geschäftsleiter Peter Poesze muss der Landkreis schon jetzt insgesamt mehr als 250 000 Euro Kaltmiete pro Jahr für das Kreisjugendamt in Altdorf, die Kfz-Zulassungsstelle und das Kreismedienzentrum in Piflas, das Schulamt in der Klötzlmüllerstraße und das Jobcenter Landshut-Land berappen. Da die Erweiterung des Landratsamts II in Altdorf um 30 Arbeitsplätze für das Jugendamt schon absehbar ist, werden jedes Jahr weitere 50 000 Euro fällig.

Außerdem sind sich die Mitglieder des Gremiums einig, dass die räumlichen Kapazitäten im Landratsamt auch nach dem jüngsten Auszug des Kreisjugendamts schon bald wieder erschöpft sein werden, da aufgrund der Bevölkerungsentwicklung und der in absehbarer Zukunft zusätzlich zu übernehmenden Aufgaben mit einem weiteren Anstieg der Belegschaft von derzeit 340 auf rund 450 Mitarbeiter bis zum Jahr 2030 zu rechnen sei. Gegenwärtig sind jedoch nur noch 14 Büros mit 22 Arbeitsplätzen frei. „Bei anhaltender Personalentwicklung ist die aktuelle räumliche Kapazität im bestehenden Gebäude in spätestens drei bis fünf Jahren aufgebraucht, und es beginnen wieder Notmaßnahmen“, lautete das Fazit von Regierungsdirektor Poesze.

Mit dem geplanten Umzug des Landratsamts (mit Ausnahme des Staatlichen Gesundheitsamts) wäre hingegen der Weg geebnet, dass alle Dienststellen „soweit zweckdienlich“ wieder zusammengeführt werden – und sich das Achdorfer Krankenhaus am angestammten Standort angemessen „ausbreiten“ und zukunftsorientiert weiterentwickeln könnte. Denn im eigenen Haus bestehen nur noch im Bereich des Bettenmoduls bescheidene Erweiterungsmöglichkeiten, ansonsten sind auch dort die Kapazitäten restlos „ausgereizt“. Um Platz für notwendige Funktionen und die Patientenversorgung zu schaffen, bietet sich die Auslagerung der Krankenhausverwaltung und des Archivs ins Nachbargebäude an.

Wie die restlichen Räumlichkeiten des Landratsamts und des angegliederten Personalwohnheims in Zukunft genutzt werden, ist dagegen noch offen. Eine (räumlich) naheliegende Möglichkeit wäre zum Beispiel die Einrichtung eines Bildungszentrums für Gesundheitsberufe, dessen Bedarf laut Lakumed-Vorstandsvorsitzender Dr. Marlis Flieser-Hartl in der Region Landshut zweifelsfrei gegeben ist. Beschlossen ist diesbezüglich jedoch noch nichts.

Auch der Standort des künftigen Landratsamtes ist derzeit völlig offen. Wie der Landrat bei der gestrigen Sitzung berichtete, hätten aber schon die Marktgemeinden Altdorf (schriftlich) und Essenbach (mündlich) ihr Interesse bekundet. „Für die Erreichbarkeit des neuen Landratsamts für alle Kreisbürger ist ein zentraler Standort zu wählen“, heißt es hierzu im Empfehlungsbeschluss des Kreisausschusses. Damit wurde Dreier zufolge festgelegt, dass neben den genannten Aspiranten eigentlich nur die Stadt Landshut und die Stadtrandgemeinden Kumhausen und Ergolding in Frage kämen. Vorrangig sei aber, so die Empfehlung des Kreisausschusses, „die Möglichkeit eines Neubaus im Landkreis zu untersuchen“. Zudem seien „Synergieeffekte mit anderen Einrichtungen“ zu prüfen, zum Beispiel im Hinblick auf die Parkplatzsituation.

(Horst Müller - Landshuter Zeitung)