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06.09.2019

Länderabend zu Uganda war sehr gut besucht

Mehr als ein Leben in den Straßen Kampalas

Uganda - Länderabend gut besuchtEtwa 70 Interessierte aus Vilsbiburg und darüber hinaus haben den letzten Länderabend mit Fokus auf dem afrikanischen Land Uganda besucht – die Organisatorin Andrea Ideli, Integrationslotsin des Landkreises Landshut, zeigte sich sehr zufrieden mit dem großen Zuspruch. Auch der stellvertretende Landrat Rudolf Lehner begrüßte die Gäste. Er bedankte sich bei allen Anwesenden, dass sie die Möglichkeit der Länderabende nutzen um sich über die Länder der neuen Mitbürger zu informieren und den Flüchtlingen helfen, sich hier in Deutschland heimisch zu fühlen.

Anschließend wurde der Film „Queen of Katwe“ gezeigt, der fünf Jahre der Lebensgeschichte von Phiona Mutesi erzählt. Das Mädchen wächst im Slum Katwe in Ugandas Hauptstadt Kampala auf. Phiona trifft bei einem ihrer Streifzüge durch die Straßen Robert Katende, einen Missionar und Sozialarbeiter, der Kindern aus den Slums das Schachspielen beibringt und etwas zu Essen gibt. Katende merkt sehr bald, dass Phiona, die als Analphabetin weder lesen noch schreiben konnte, ein Ausnahmetalent im Schachspiel ist und fördert sie.

So beginnt sie dann an verschiedenen Wettbewerben teilzunehmen und gewinnt, sodass sie es sogar zu Schach-Meisterschaften in den Sudan und in Moskau fliegt. Eine erstaunliche Karriere beginnt, sodass es Phiona ihrer Familie ein besseres Leben ermöglichen kann. Durch ihre Erfolge realisiert die junge Schachspielerin, dass das Leben mehr bieten kann als ein Leben im Slum Kampalas. Der Film zeigt ein sehr realistisches Bild vom Leben in diesen verarmten Stadtvierteln.

Nach dem Film berichtete die gebürtige Vilsbiburgerin Heike Nesner, die seit 2014 als Entwicklungshelferin in Uganda lebt und arbeitet, vom ostafrikanischen Land. 35 Millionen Menschen wohnen dort, etwa die Hälfte davon sind Minderjährige. Die Alphabetisierungsrate liegt bei knapp 70 Prozent – trotz Schulpflicht und sieben kostenfreien Schuljahren. Gründe dafür sind unter anderem, dass so viele Kinder einen Schulweg von über einer Stunde auf sich nehmen müssen und mit über 100 Schülern die Klassen heillos überfüllt sind.

Auch ist die Schulbildung nicht komplett kostenlos, Schuluniform, Bücher und Essen sind selbst zu zahlen. Das kann sich nicht jede Familie leisten, sodass einige Kinder nicht zur Schule gehen können. Aber Schulbildung bedeutet in Uganda nicht zwangsläufig ein besseres Leben. Denn rund 90 Prozent der Uniabsolventen finden nach ihrem Abschluss keine Arbeit.

Als letzten Punkt erläuterte die Entwicklungshelferin noch Ugandas „open door“-Flüchtlingspolitik: Jeder Neuankömmling bekommt ein Stück Land zugewiesen, auf dem man sich eine Hütte mit Kochstelle bauen kann und, wenn möglich, Landwirtschaft betreibt. Weltweit liegt Uganda an dritter Stelle der Aufnahmeländer von Flüchtlingen, hinter der Türkei und Pakistan (Zum Vergleich: Deutschland liegt auf Platz fünf). Registrierte Flüchtlinge erhalten Essensrationen, es ist allen möglich sich frei im Land zu bewegen, zu arbeiten oder ein Geschäft zu eröffnen.

Diese offene Flüchtlingspolitik bringt auch verschiedene Schwierigkeiten mit sich. So haben sich beispielsweise Flüchtlingsdörfer gebildet, in denen bis zu elfmal so viele Flüchtlinge leben wie Einheimische im unmittelbaren Umland. Durch den hohen Bedarf an Holz für Hüttenbau und Brennmaterial wurden einige Gebiete komplett abgeholzt. Dies hat Bodenerosion zur Folge, der Wind trägt nach und nach die fruchtbaren Böden ab. Durch das vermehrte Bohren von Brunnen und dem erhöhten Wasserbedarf ist der Grundwasserspiegel abgesunken.

Die anschließende Diskussion beschäftigte sich mit der Rolle der Frau. Besonders problematisch ist für alleinstehende Frauen in Uganda, dass sie nach dem Tod des Ehemannes oder einer Trennung weder zur Familie des Mannes (zu der sie gezogen sind) noch zu ihrer eigenen Familie gehören, sondern sich, wie auch bei „Queen of Katwe“ gut dargestellt, selbst durchschlagen müssen. Kinderehen sind aber verboten und werden von der Polizei verfolgt.

Nach der Diskussion konnten die Besucher im Galeriekeller noch landestypisches Essen wie „Rolex“ und „Mandazi“ probieren und weiter diskutieren.

(Carina Weinzierl, Pressesprecherin Landkreis Landshut)

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