» »

16.01.2018

Landschaftspflegeverband verabschiedet Etat für 2018

Fachanwälte für Natur, Tier, Mensch und Co.


Landschaftspflegeverband - Hauptversammlung

Im Bild v. links: stellvertretender Vorsitzender OB Alexander Putz, 1. LPV-Vorsitzender Landrat Peter Dreier, LPV-Geschäftsführer Tobias Lermer, LPV-Fachberater Helmut Naneder und Gebietsmanager Alexander Scholz.

Die Wiederherstellung und Pflege von Wiesen, die zahlreichen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum bieten; die Vermehrung von seltenen Obstsorten auf Streuwiesen auf dem früheren Standort-Übungsplatz im Landshuter Osten; die schonende Mahd im Quellgebiet der Kleinen Laber (Pfeffenhausen) oder im Mettenbacher-Grießenbacher Moos (Essenbach, Niederaichbach, Postau) sowie die Anschaffung von Zäunen und Stromgeräten, damit Füchse nicht die Gelege von seltenen Vögeln plündern: Es ist ein mannigfaltiges Bündel von Maßnahmen, mit denen der Landschaftspflegeverband (LPV) Landshut den Reichtum der heimischen Natur schützt und damit besonders auch dem Menschen nützt. Grundlage dafür bietet im nächsten Jahr der Etat für 2018, den die Mitglieder des LPV bei der Jahreshauptversammlung im Plenarsaal des Landshuter Rathauses unter Vorsitz von Landrat Peter Dreier beschlossen haben.

Es war eine beachtliche Bilanz, die LPV-Geschäftsführer Tobias Lermer, LPV-Fachberater Helmut Naneder und der neue LPV-Gebietsmanager Alexander Scholz für das Jahr 2017 aufmachen konnten. Es sei wirklich beeindruckend, welche Vielfalt an Tieren und Pflanzen in den Rückzugsflächen inmitten der Zivilisationslandschaft leben und gedeihen können.

Entsprechend zufrieden, ja heiter war die Stimmung in der Sitzung, zum Beispiel, als Landrat Dreier auf die Erwähnung eines neuen Storchenpaars in der Gemeinde Neufahrn launig bemerkte: Er wisse nun, dass auch der LPV offenbar dazu beitrage, dass die Region Landshut so geburtenstark, ja in diesem Punkt sogar Spitze sei in Bayern. Woraufhin LPV-Fachberater Naneder mit hörbarem Stolz anmerkte, dass auch er mit Zwillingen zu dieser Seite der regionalen Erfolgsbilanz beigetragen habe.

Grund zur Freude über die erfolgreiche LPV-Arbeit haben neben der Natur auch viele Menschen, die im Dienste des LPV Aufgaben wahrnehmen. Darunter sind zahlreiche Landwirte, mit die wichtigsten Partner für den LPV. Durch Maßnahmen im Rahmen des sogenannten Vertrags-Naturschutzes, durch direkte und faire Vergütung von Landschaftspflege-Maßnahmen unter Mitwirkung der beiden Maschinenringe Rottenburg und Vilsbiburg eröffnen sich für die Landwirte zusätzliche Einnahmequellen – und der Natur bleiben wertvolle Flächen erhalten.

Die Bereitschaft von Landwirten, mit professionellen Naturschützern Hand in Hand zu arbeiten, gründet sich ganz wesentlich auf Vertrauen: Ein solches Vertrauen ist zwischen den Landwirten und dem Landschaftsarchitekten Dipl.-Ing. (FH) Alexander Scholz über Jahre gewachsen, der nun seit Mitte 2017 in Teilzeit auch als Gebietsbetreuer für den LPV tätig ist. Sein Einsatzgebiet sind das „Isarmoos mit Wiesenbrütergebieten im unteren Isartal und der nördlichen Isarhangleite“, also Areale, in denen der Landkreis seit vielen Jahren mit nachhaltigem Erfolg für selten gewordene Tier- und Pflanzenarten Lebensräume schützt, schafft und pflegt.

Als kompetenter Ansprechpartner wird der junge, erst 2016 ins Leben gerufene LPV auch bereits von Fachbehörden wie dem Wasserwirtschaftsamt Landshut als Dienstleister beschäftigt: Auf rund 51 Hektar der Flutmulde wird der LPV alsbald ein Pflegekonzept umsetzen, das durch späte und schonende Mahd (Stichwort: Balkenmäher) für mehr Vielfalt an Vegetationszonen sorgen und die Zahl von Tier-, vor allem Insektenarten erhöhen, also die vielzitierte „Biodiversität“ ermöglichen wird.

Auf der Grundlage eines Werkvertrags mit Diplom-Agraringenieur Siegfried Pschibul-Markgraf trägt der LPV Sorge für die Beratung und Umsetzung von Vertragsnaturschutz-Programmen im Isarmoos, im Vilstal und im Tal der Kleinen Vils. Hier liegt das Hauptaugenmerk ebenfalls auf später Mahd und der Schonung von Gelegen von Wiesenbrütern. Auch mit einer anderen Expertin, mit der Diplom-Biologin Irene Wagensonner arbeitet der LPV auf Werksvertragsbasis zusammen, um Bauherren zu unterstützen, die bei Umbauten, Begasungen und Renovierungen in Konflikt mit Fledermaus-Populationen kommen – damit der Mensch die notwendigen Baumaßnahmen vornehmen kann und zugleich Fledermaus-Populationen erhalten bleiben.

Rund 413 000 Euro hat der LPV, dem 29 Landkreis-Gemeinden, die Stadt Landshut, 16 Verbände sowie Privatpersonen angehören, im vergangenen Jahr in seine Naturschutzarbeit investiert. LPV-Geschäftsführer Lermer schilderte zahlreiche Aktionen: Darunter waren zum Beispiel die „Wiederherstellung der ehemals artenreichen Bahngruben im Biotopverbund Bahnlinie Landshut-Plattling“, die „Pflege von Trocken- und Feuchtbiotopen“ von Oberlauterbach über Kumhausen bis zu den Vilswiesen bei Rutting (Gemeinde Gerzen), die Aussaat von Blumenwiesen und die Pflege von Kopfweiden sowie das „Projekt Landshut blüht“. Im Rahmen dieses Projekts sind sowohl auf Flächen, die Kommunen gehören als auch auf Privatgrund bereits mehrere hundert Bäume gepflanzt worden.

Im neuen, bei der Verbandsversammlung im Plenarsaal der Stadt Landshut beschlossenen Haushalt für das Jahr 2018 sind rund 680 000 Euro für Maßnahmen vorgesehen, mit denen die Vielfalt von Lebensräumen und damit von Tier- und Pflanzenarten geschützt und erhalten werden sollen. Zu diesen Arbeiten gehören unter anderem jährlich wiederkehrende Pflegemaßnahmen an der Großen wie der Kleinen Laber sowie im Marktbachtal, die Renaturierung von Gewässern und die Obstbaumpflege in der Stadt Landshut und vielen anderen Orten zwischen Neufahrn und Wurmsham. Der LPV hat zudem konkrete Anfragen, Flächen von zusammen rund zehn Hektar in Blumen- und Streuobstwiesen zu verwandeln, also in Orte, in denen sich Biodiversität entfalten kann, das heißt: wo die ganze Vielfalt an heimischen Tier- und Pflanzenarten wieder Platz zum Leben und Gedeihen hat.

(Elmar Stöttner, Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Landkreis Landshut)