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08.03.2018

„Das archäologische Jahr in Bayern“

Monika Weigl überreichte Landrat Dreier den aktuellen Jahresband

 
Weigl - Buchband

Im Bild v. links: Monika Weigl, Regionalbeauftragte für Niederbayern des Vereins „Gesellschaft für Archäologie in Bayern“, Landrat Peter Dreier und Kreisarchäologe Dr. Thomas Richter.

Sie ist ein kleiner, aber immens aktiver und engagierter Verein – die „Gesellschaft für Archäologie in Bayern e. V.“ (GfArch) mit ihren bayernweit gut 3000 Mitgliedern. Gerade in Niederbayern, einer der Keimzellen des 1981 gegründeten gemeinnützigen Vereins, hat die GfArch seit jeher ein starkes Standbein. Das machte auch die Regionalbeauftragte der GfArch für Niederbayern, Monika Weigl, deutlich, als sie Landrat Peter Dreier den aktuellen Jahresband des Vereins übereichte, in dem auch der Landkreis Landshut mit interessanten Forschungsergebnissen vertreten ist.

Monika Weigl, zugleich Kreisheimatpflegerin für Archäologie des Landkreises Landshut, ist eine der engagiertesten Kämpferinnen für die Sache dieser Wissenschaft; sie gehört zu jenem Personenkreis, der im Raum Landshut seit Jahrzehnten die Sache der Archäologie in die breite Öffentlichkeit getragen, sie dafür sensibilisiert und viele Menschen für Geschichte begeistert hat. Die Jahresbände der GfArch erscheinen seit der Gründung des Vereins, der vor allem auf Initiative des renommierten Archäologen Dr. Rainer Christlein (1940-1983) zurückgeht. Die Bücher sind Zusammenstellungen von Kurzartikeln über die wichtigsten und interessantesten Ausgrabungen und Entdeckungen eines Jahres und erscheinen jeweils im Herbst des Folgejahres.

Der aktuelle Band ist somit „Das Archäologische Jahr in Bayern 2016“, herausgegeben gemeinsam von der Gesellschaft für Archäologie in Bayern und dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege (BLfD), das Buch ist Ende 2017 erschienen. Die Hauptlast der Arbeit der Gesellschaft für Archäologie tragen ehrenamtliche Mitglieder, deren Bedeutung auf dem Gebiet von jeher groß war. Gerade der Gründer der GfArch, Rainer Christlein, schätzte deren Arbeit ungemein hoch und auch viele Facharchäologen taten und tun dies bis heute, wie Monika Weigl darlegte.

Diese begeisterten Geschichtsfreunde sind ein Segen für die gesamte Archäologie in Bayern, seit jeher. Denn die Archäologie hat, wenn überhaupt, dann nur eine schwache, wenig zugkräftige Lobby; es gibt wenig festangestellte Archäologen, das Netz der BLfD-Ämter ist vor Jahren auf Betreiben des früheren Ministerpräsident Edmund Stoiber kräftig ausgedünnt worden – und nur wenige Landkreise und kreisfreien Städte haben, wie der Landkreis Landshut mit Dr. Thomas Richter, einen Kreisarchäologen.

Die große Mehrheit der Kreisarchäologen Bayerns findet sich bis heute in Niederbayern. Auch das geht auf das Engagement von Rainer Christlein zurück sowie auf seinen Nachfolger als Leiter der früheren BLfD-Dienststelle Landshut, Dr. Bernd Engelhardt (1945-2017), unter dessen Ägide das Netz der Kommunalarchäologen in Niederbayern nachhaltig gefestigt und noch einmal dichter geknüpft werden konnte.

Zugleich im Namen des Landesvorsitzenden der GfArch, dem Archäologie-Professor Dr. Bernd Päffgen (München), überreichte Monika Weigl den aktuellen Archäologie-Jahresband an den Landrat. In dem Buch findet sich eine von Prof. Päffgen angeregte Erforschung von Überresten einer mittelalterlichen Burg in Ergoldsbach und eines Wehrturms bei Mirskofen mit Hilfe eines Hochtechnik-Geräts (Magnetometer). Mit solchen Geräten wird der Boden gewissermaßen durchleuchtet und können insbesondere die Reste von Bauten dokumentiert werden: Das Magnetometer macht geringste Veränderungen im Erdmagnetfeld sichtbar und damit auch Eingriffe des Menschen in den Erdboden.

Zur Freude von Ergoldsbachs Bürgermeister Ludwig Robold und anderen Geschichtsfreunden wurden auf dem annähernd quadratischen, von Wällen und Gräben umgebenen Plateau des Schlossbergs (etwa 100 mal 100 Meter) im Untergrund die Reste von frühmittelalterlichen Befestigungsanlagen entdeckt. Dass eine solche Untersuchung vorgenommen wurde, ging auf die Initiative von Prof. Päffgen zurück: Er hatte die Stelle bei einer Exkursion kennengelernt, die Kreisarchäologe Dr. Richter geführt hatte.

Auf dem Kapellenberg – auch „Schlossberg“ genannt – von Ergoldsbach hat einmal ein veritables Schloss gestanden, das wusste man von jeher. So zeigt etwa ein Kupferstich von Michael Wening aus dem frühen 18. Jahrhundert einige Schlossgebäude. Aber mit der geophysikalischen Untersuchung, die unter der Leitung des international renommierten Fachmanns Dr. Jörg Faßbinder (München) durchgeführt wurde, ist nun auch Folgendes gesichert: Vor mehr als 1000 Jahren – wohl schon zur Zeit der ersten urkundlichen Erwähnung Ergoldsbachs im Jahr 822 – krönte eine von einem Turm überragte frühe Burg („Wall-Graben-Anlage“) die Anhöhe östlich des Goldbachs. Sie diente zur Überwachung der Nord-Süd-Verbindung zwischen dem Landshuter und Regensburger Raum.

Auf die Spuren eines aus Holz gebauten Wachturms, den einst Gräben und mit Palisaden bewehrte Wälle schützten, ist das Faßbinder-Team auch westlich von Mirskofen gestoßen, zwischen dem Möselgraben und dem Sendlbach. Auch diese Wehranlage ist offenbar über 1000 Jahre alt; als sie einst verfiel, folgte ihr kein weiterer, aus Ziegeln errichteter Bau und die kleine ehemalige „Turmhügel-Burg“ verfiel in einen Dornröschenschlaf.
Auch eine von der Kreisarchäologie durchgeführte Untersuchung ist in dem Jahresband zu finden: eine kleine Grabung, die ein weiteres Schlaglicht auf die Geschichte Ergoldings wirft. Die heutige Marktgemeinde, fürs Jahr 822 erstmals in einer Urkunde erwähnt, war früher das, was seit 1204 Landshut in seiner wechselvollen Geschichte war und ist – der Hauptort mindestens der Region Landshut.

Besonders unter der Ägide Bernd Engelhardts sind zum Teil spektakuläre Funde in Ergolding gemacht worden, aus mehreren Jahrtausenden. Bei der bislang letzten Grabung, im Baugebiet „Am Anger“ sind die Überreste einiger Bauernhöfe, ihrer Wirtschaftsgebäude und von Brunnen zutage gekommen. Die Befunde runden das Siedlungsbild von „Ergeltingas“ ab, wie der alte bajuwarische Name des Ortes lautet.

(Elmar Stöttner, Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Landkreis Landshut)