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29.09.2017

Wirtschaftsempfang von Stadt und Landkreis Landshut

Für eine attraktivere Region


Wirtschaftsempfang 2017

Moderator Michael Bragulla befragte Landrat Peter Dreier und Oberbürgermeister Alexander Putz (von links) im Bernlochnersaal zu Themen der gemeinsamen Zusammenarbeit. Foto: cw
 

Noch nie hat der Slogan „Stadt und Land – Hand in Hand“ so gut gepasst wie beim diesjährigen Wirtschaftsempfang der Stadt und des Landkreises Landshut. Zum ersten Mal wurde der Empfang gemeinsam ausgerichtet. Oberbürgermeister Alexander Putz und Landrat Peter Dreier hatten Unternehmen eingeladen und nahmen den Abend zum Anlass, um Konzepte vorzustellen, die die Region vorranbringen sollen. Neben der Zusammenarbeit auf dem Krankenhaussektor und beim ÖPNV wurde auch die Ausweisung von neuen Gewerbeflächen diskutiert.

"Sie, liebe Unternehmer und Führungskräfte, sind die eigentlichen Hauptpersonen des Abends, denn Sie sorgen dafür, dass erfolgreiches Wirtschaften in Stadt und Landkreis Landshut passiert“, sagte Moderator Michael Bragulla am Dienstagabend beim Wirtschaftsempfang im Bernlochnersaal. Die Verwaltung könne immer nur den Rahmen schaffen, dass erfolgreiches Unternehmertum möglich werde. Es müsse aber auch Menschen geben, die genau das umsetzen. Was in Zukunft passieren soll, um die Rahmenbedingungen zu verbessern, führten anschließend in einem Interview Oberbürgermeister Alexander Putz und Peter Dreier weiter aus. Fest steht für beide: Stadt und Landkreis Landshut arbeiten gerne zusammen. Ziel sei es, die Region weiterzuentwickeln. „Politik muss die Infrastruktur liefern, damit Unternehmer spüren, dass man in der Region gemeinsam was voranbringen kann.“

Idee: Eine Service-GmbH der Krankenhäuser
Neben der gemeinsamen Bildungsregion und einer Umweltstation, wird bereits an einem stadt- und landkreisübergreifenden Tarifverbund gearbeitet. Aber auch bei den Krankenhäusern soll die Zusammenarbeit intensiviert werden. „Wir stellen uns eine Service GmbH vor, bei der Reinigung, IT-Ausstattung und Personalschulung gebündelt werden könnten“, so Putz. Dreier kann sich aber auch vorstellen, dass bei der Ausbildung von Kinderkranken-, Alten- und Krankenpfleger die Stadt, der Landkreis, die Caritas, die VHS und das Kinderkrankenhaus in Zukunft zusammenarbeiten – ähnlich wie es beim Berufsschulzweckverband organisiert ist.
Am neuen Landratsamt-Standort könnte auch ein Ausbildungszentrum für nichtärztliche Gesundheitsberufe in der Region geschaffen werden. „Dann könnten gleich vor Ort Hebammen und Operationsassistenten ausgebildet werden. So etwas gibt es in ganz Niederbayern noch nicht.“

Hohe Nachfrage bei Gewerbegrundstücken
Thema war auch der enorme Zuzug in die Region. Dies stellt Stadt und Landkreis vor neue Herausforderungen bei der Infrastruktur, bei Kinderbetreuung, Schulen und auch beim Wohnraum. „Bei der Flächennutzung müssen wir mit der Ressource Fläche sorgsamer umgehen, wie es in der Vergangenheit geschehen ist. Ich glaube, dass wir in Zukunft mehr in die Höhe bauen müssen“, sagte Putz. Geht es nach dem OB, soll es reine Supermärkte auf der grünen Wiese nicht mehr geben. Wo aber sollen neue Gewerbegebiete ausgewiesen werden? „Wertschöpfung innerhalb der Stadtgrenzen ist das Zukunftsthema, weil die neuen Schulen, aber auch die Infrastruktur finanziert werden müssen“, sagte Putz. Mit der Umsetzung des Gewerbegebiets Münchnerau II werde deshalb derzeit neuer Raum für Firmen geschaffen. Laut Liegenschaftsamt sei die Nachfrage nach Gewerbegrundstücken noch nie so groß gewesen.

Ähnlich sieht es im Landkreis aus: „Die Bürgermeister stehen jetzt vor den Herausforderungen, dass überhaupt Bauland ausgewiesen werden kann. Dafür bedarf es nämlich in erster Linie der Bereitschaft der Eigentümer, Grundstücke abzugeben“, sagte Dreier. Als Konkurrenten dürften sich Stadt und Landkreis nicht sehen, wenn es darum gehe, dass sich Firmen in der Region ansiedeln. Natürlich gebe es einen unterschiedlichen Gewerbesteuersatz; aber dies sei nur ein Aspekt, wenn es um die Standortfrage gehe, erklärte Putz. „Man muss natürlich aufpassen, dass der Unterschied nicht zu groß ist. Das Ziel insgesamt ist, die Region für Unternehmen attraktiver zu machen.“

Weil es auch nicht im Sinne der Unternehmer sein kann, dass Handwerker die meiste Zeit auf der Straße im Stau verbringen, wurde natürlich auch das Thema Verkehr angesprochen. Putz sagte nur so viel: „Ich habe mich lange Zeit für den Weiterbau der B15 neu eingesetzt und freue mich, dass sie in den vordringlichen Bedarf aufgenommen wurde.“ Nichtsdestotrotz braucht es laut Putz aber auch den Brückenschlag zur LA 14. „Am Sonntag findet ein Bürgerentscheid statt, bei dem es wichtig ist, dass wir ein repräsentatives Meinungsbild erhalten. Es ist wichtig, dass möglichst viele Bürger abstimmen und eine weise Entscheidung treffen.“

20 000 Pendler zwischen Stadt und Landkreis
Dreier betonte, dass es 20 000 Pendler zwischen Stadt und Landkreis gebe. „Eine leistungsfähige Region braucht leistungsfähige Verkehrsadern“, so der Landrat. Im Jahr 2019 soll die B15 neu an der A92 ankommen; dann müsse auch der nächste Schritt zur LA 14 erfolgen, sagte Dreier. Aber auch die Weiterführung zur B 299 und die Anbindung an die B15 alt müsse man im Blick haben. „Wenn das Votum der Stadtbürger am Sonntag positiv für die Westtangentenverbindung ausfällt, dann ist es nur konsequent, dass man über die Weiterführung im Landkreis und den Ringschluss diskutiert“, sagte Dreier. Der Tiefenbacher Gemeinderat habe zwar gegen das Projekt gestimmt, aber „als Landrat habe ich immer den Blick auf das gesamte Landkreisgebiet und auf die Bedürfnisse der Bürger. Da spüre ich, dass der Wunsch nach einer Weiterführung einfach da ist.“

Neben den Straßen müssten aber auch gleichzeitig das Radwegenetz und der ÖPNV ausgebaut werden. Neben einem gemeinsamen Tarifverbund sei der Landkreis gerade dabei, „Park&Ride“-Parkplätze mit einer Busanbindung in die Innenstadt zu schaffen, um auch den Verkehr aus der Stadt zu holen. Putz betonte jedoch gleichzeitig, dass der ÖPNV nicht alles regeln könne. Die Taktung der Busse zu erhöhen sei nicht des Rätsels Lösung, weil die Nutzerzahlen derzeit gar nicht so hoch seien. „Man muss den ÖPNV optimieren, aber man kann nicht alle Pendler aus entlegeneren Orten mit eigenen Buslinien und einer engeren Taktung abholen. Da muss man sich auch über andere Vernetzungen Gedanken machen.“ Kleinbusse und Carsharing wurden als Beispiele genannt. Putz: „Ich bin aber überzeugt, dass in unserer Region auf unabsehbare Zeit das Auto das Verkehrsmittel Nummer eins bleiben wird.“

(Christina Werner, Landshuter Zeitung)